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Klimakrise und Borkenkäfer – der Harz im Wandel

Symbolbild. Quelle: Pixabay.

Hannover. Dürre, Borkenkäfer und Stürme treiben das Baumsterben im Harz voran. Seit 2018 hat der Nationalpark Harz mehr als 11.600 Hektar Fichtenwald verloren. Insgesamt sind circa 90 Prozent des früheren Fichtenbestandes im Nationalpark inzwischen abgestorben. „Das ist auf den ersten Blick für viele Besucherinnen und Besucher des Harzes erstmal ein gewöhnungsbedürftiger Anblick“, sagte Umweltminister Christian Meyer heute beim Besuch des Nationalparks Harz im Rahmen seiner Sommertour. „Aber die natürliche Waldentwicklung schreitet dynamisch voran, überall entsteht neues Leben und am Ende wächst hier ein klimaresistenter Wald heran.“.

Gemeinsam mit Dr. Roland Pietsch, Leiter der Nationalparkverwaltung Harz, und lokalen Akteuren begutachtete Minister Meyer die verschiedenen Stadien der Waldentwicklung im Nationalpark in unterschiedlichen Höhenlagen. In der Kernzone des Schutzgebietes bleibt der Wald sich selber überlassen. Die Natur darf sich selbst entwickeln und das Ökosystem verändert sich. „Hier gilt das Motto: Natur Natur sein lassen. Der Waldumbau ist ein Langzeit-Projekt, bei dem man aber die Veränderungen schon jetzt gut beobachten kann“, so Meyer.

Die Zahl der Tier- und Pflanzenarten nimmt im Vergleich zu den früheren Fichtenmonokulturen erheblich zu. Es entsteht eine Vegetation aus Gräsern, Kräutern, Stauden, Himbeere und verschiedenen Brombeer-Arten. Auch Sträucher wie beispielweise Holunder und Weiden fangen an zu wachsen. Je nach Höhenlage finden sich nach und nach verschiedene Laub- und Nadelbäume ein. Zu den Pionieren der Laubbäume zählen Birke, Aspe, Eberesche und Salweide. Von den Veränderungen profitieren auch viele Tierarten wie Zaunkönig und Rotkehlchen. Auch zahlreiche andere Tiere, Pflanzen, Pilze und Kleinlebewesen profitieren direkt oder indirekt vom Wandel zur Wildnis.

Das Land unterstützt den natürlichen Wandel durch die Pflanzung von Laubbäumen. Seit 2008 wurden rund 7 Millionen Laubbäume im Nationalpark gepflanzt – überwiegend Buchen, aber auch andere Arten wie zum Beispiel Bergahorn oder Erlen –, um den Prozess des Wandels hin zu naturnahen Laubmischwäldern zu initiieren und zu unterstützen.

Zum Ende seiner Harz-Visite hat der Umweltminister das Luchsgehege besucht, um sich über die Entwicklung der Luchspopulation in Niedersachsen zu informieren. Mit dem Luchsprojekt Harz wurde Anfang 2000 erstmals in Deutschland ein offizieller Wiederansiedlungsversuch gestartet. 24 Luchse wurden zwischen 2000 und 2006 ausgewildert, inzwischen wird das Luchsvorkommen im Harz auf etwa 90 Tiere geschätzt. Es hat sich aber bereits über die Grenzen des Mittelgebirges hinaus ausgebreitet und nimmt derzeit den größten Flächenanteil am gesamtdeutschen Luchsvorkommen ein. Insgesamt leben circa 110 Tiere in niedersächsischen Wäldern vom Harz bis zur Weser. Nachweise gibt es unter anderem in Höhenzügen wie Vogler, Ahlsburg, Hils sowie in Salzgitter und dem Hildesheimer Wald.

„Das Harzer Luchsprojekt ist ein voller Erfolg für den Artenschutz, denn hier ist eine vitale Population entstanden“, so Meyer. „Aber auch die Auswilderung im Solling im letzten Jahr ist ein wichtiger Schritt im niedersächsischen Luchsmanagement, um die Vorkommen in Deutschland zu verbinden und den Austausch zwischen ihnen zu ermöglichen. Nur so kann die genetische Vielfalt und die Art langfristig erhalten bleiben.“

 


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